Ich lebe noch….!
July 5th, 2007Puuuh, vielleicht bin ich doch in ein Loch gefallen…Knapp 2 Monate keinen Eintrag mehr und an dem Besucherticker kann ich erkennen, daß täglich ca. 5-10 x die Homepage angeklickt wird. Jetzt habe ich ehrlich ein schlechtes Gewissen!
Also, ich habe tatsächlich extrem zurückgefahren, was sich natürlich auch in der Spendenbereitschaftb bemerkbar macht. Nun, es war als Projekt gedacht, die Krankheit Noma ist damit natürlich noch lange nicht ausgerottet. Vielleicht werden viele Leute erst nächstes Jahr von Noma hören, da dann eine große Öffentlichkeitskampagne in Europa gestartet werden soll. Ich bin tatsächlich momentan etwas ausgebrannt, zumal ich vor 2 Wochen an dem 100 km Lauf in Biel/Schweiz teilgenommen habe. Und das fast ohne Training, zumindest für ein derartiges Vorhaben spezifisches Training. Nach dem MdS bin ich lediglich just for fun 1 - 1/2 Std. im schönen Taunus herumgejoggt und habe einen langen Trainingslauf über 30 km (Bonames-Oberursel-Bonames) zurückgelegt. Das war natürlich zu wenig. Ich dachte, ich könnte die 100 km alleine mit der Euphorie des MDS bewältigen.
Nun ja, ich hatte mir einen Schnitt von 07:12 min/km vorgenommen, was einem Endergebnis von 12 Std. entsprochen hätte. Bei dem Lauf habe ich einige Weggefährten aus Marokko wiedergetroffen, die ja auch verantwortlich dafür waren, daß ich überhaupt bei diesem Ultralauf mit Kultstatus gestartet bin. U.a. Andriy, den in der Schweiz lebenden Ukrainer aus Zelt 56. Wir sind um 22:00 Uhr gemeinsam gestartet und es waren angenehme Wetterverhältnisse nachdem es die Tage zuvot geschüttet hatte. Eine wunderbare Atmosphäre, die Stadt ist begeistert von diesem Ereignis, das nun zum 49. Mal stattfand und somit der wohl älteste Ultralauf in Europa ist.
Gegen 23:oo Uhr wurde es dann kühler, sa daß ich meinen mitgeführten Windbreaker überzog. In der Nacht haben meine Sinne verrückt gespiel; Schafe, Ziegen, das Läuten von Schweizer Kuhglocken von den Weiden, frisch gemähtes Gras, dann wieder Bier geruch aus den unzähligen Bierzelten in den Dörfern, die wir durchliefen, Laola-Wellen, das Rauschen eines wilden Flusses, völlige Stille oder einfacj nur das monotone Trippeln der Schritte von Mitlaüfern. Eine wunderbare Erfahrung!
Ich hatte einfach zuviel Selbstvertrauen, zuwenig Erfahrung mit Ultras (der MDS war schließlich der 1.) und bin mit Andriy, der die Strecke bereits zuvor in 11:50 Std. zurückgelegt hatte, zu schnell angegangen. Bis KM 50 war alles OK, dann wurden die Beine plötzlich schwer wie Blei und ich fühlte mich wie Pinoccio, ein Stück Holz! Habe mich durchgekämpft bis KM 56, dort war eine große Verpflegungsstation, außerdem hatte ich mir dort ein 2. Paar Laufschuhe deponieren lassen. Doch die fand ich nicht, es regnete bereits seit 1 1/2 Std., ich war komplett durchnässt und fror wie ein Hund.
Außerdem war dies eine Teilstrecke und man konnte aussteigen und kam in die Teilwertung. Es stand ein Bus bereit, der einen wieder zum Start brachte, der auch sch ziemlich voll war. Ein 2. Bus wartete dahinter. Meine Beine sagten: Geh dahin, wem willst Du was beweisen? Mein Geist wurde schwach, so schwach wie während des gesamten MDS nicht und dann sah ich ein Sanitätszelt mit Massage! Da habe ich mich hingeschleppt, 30 min. Massage (toller Service), dabei fast eingeschlafen, denn es war 04:00 Uhr morgens und ich war meiner Zeit glatte 6 km voraus. Einfach zu schnell aber das habe ich durch die Massage ja wieder "gutgemacht"…
Dann kam der soganannte Hi Chi Minh Pfad. Ein 12 k langer ebger und mit Wurzeln übersähter Pfad. Eigentlich ein Schreckgespenst des Laufs aber ich empfand ihn eher angenehm. Man muss sagen, daß ca. 70% des Laufs über asphaltierte Wege führt und das ist gar nicht mein Ding. Ich trainiere schließlich im Taunus fast nur auf Waldwegen und die Wüste war auch nicht asphaltiert. Trotzdem war ich auch nach der Massage nicht im geringsten erholt. Bis KM 76 (nächste Teilwertung) war der pure Kampf! Zum Glück ging inzwischen die Sonne auf und die Lebensgeister kamen wieder zurück. Und obwohl ich in einen Lauf/Gehen-Rythmus verfiel überholgte mich kaum noch jemand.
Der Rest ist schnell erzählt. Die 71 km beim MDS waren meine bisher längste am Stück zurückgelegte Lauftrecke und das merkte ich nun. Die letzten 24 km gingen nur über die Willenskraft. Aber die scheine ich zu haben! Auch Andriy, der sich bei KM 56 mit Flucht nach vorne getrennt hatte habe ich bei KM 95 wiedergetroffen.
Der letzte km (das Schild mit KM 99 werde ich nie vergessen) war pure Emotion!! Der Zieleinlauf nach 12:24 Std. (Schnitt 07:26/km) ein Gänsehautfeeling par excellance!!! Schut mal unter www.100km.ch nach. Dort könnt ihr mein Ergebnis mit Zielfoto aufrufen.
Nun, 2 Wochen danach bin ich körperlich immer noch gebeutelt. Bin gestern das 1, Mal wieder gelaufen. So lala. Egal, war vielleicht auch alles ein bißchen viel letzte Zeit. Das sieht man ja auch daran, daß ich noch nichts über meine wahren Erfahrungen während des MDS geschrieben habe.
Folgt aber noch! Versprochen! Ich habe schließlich nicht umsonst Tagebuch geführt! Die nächsten Ereigisse: Maintower vom Hessischen Rundfunk wird die nächsten Wochen einen TV Bericht mit mir über NOMArathon produzieren, im September laufe ich den Köln Marathon und/oder Frankfurt Marathon und am 23.10. gibt´s eine Ehrung der Stadt Oberursel für das Engagement. Das freut mich sehr!
Außerdem darf ich nun mit 2 Trainerfreunden die D1 kommende Saison trainieren. Wir wollen das 4-4-2 System als Raumdeckung einführen was eine große Herausforderung wird.
Nun. ich denke, dies dürfte als Lebenszeichen zunächst einmal genügen. Vielen Dank für die Geduld an alle, die nun fast 8 Wochen auf einen weiteren Beitrag gehofft haben!

